Alles muss weg - Lagos Waterfronts in Gefahr Story starten | Überblick

Alles muss weg - Lagos Waterfronts in Gefahr
Lagos/Nigeria Februar 2017

Makoko und Otodo Gbame sind alte Fischerdörfer am Rande der Lagune von Lagos. Hier leben Menschen seit vielen Generationen vom Fischfang, schon lange bevor die Stadt um sie herum zur größten afrikanischen Megacity heranwuchs. Jetzt zählt Lagos 18 Millionen Einwohner, und Bauland ist Gold wert. Die Rechte von ein paar tausend Fischerfamilien zählen da wenig, auch wenn das Land ihnen seit Generationen gehört, auch wenn Gerichte ihnen das Recht auf ihr Land und ihre Häuser zugestehen. Ein bezahlter Schlägertrupp, ein nächtlicher Großbrand, willfährige Behörden – schon hat man sich als einflußreicher Unternehmer das nächste lukrative Baugrundstück gesichert. Otodo Gbame existiert schon nicht mehr. Nach einem Angriff im November 2016 kamen die Bewohner noch wieder zurück, bestärkt von einem Gerichtsurteil, um ihr Dorf wieder aufzubauen. Ein zweiter Angriff im März 2017 hat der Gemeinde den Rest gegeben.

Makoko droht das gleiche Schicksal. Die Siedlung im Herzen von Lagos ist größer und bekannter als Otodo Gbame. Derzeit lässt man Makoko mit seinem weltweit einzigartigen Gewirr aus Stelzenhäusern und Kanälen in Ruhe. Allerdings schert sich die Stadt auch nicht um mangelhafte Infrastruktur – es gibt keine (reguläre) Stromversorgung, kein Trinkwasser, keine Schulen oder Krankenhäuser. Einen Räumungsversuch im Jahr 2013 hat die Stadtverwaltung nach massiver Gegenwehr der Bewohner aufgegeben. Ein neuer Räumungsversuch scheint nur eine Frage der Zeit. Die erfolgreiche Räumung von Otodo Gbame gibt den vermeintlichen Modernisierern Auftrieb.

Verschiedene NGOs gehen davon aus, dass etwa 300.000 Menschen ihr Zuhause verlieren, wenn die Stadt ihre Ankündigung wahr macht und alle informellen Siedlungen am Rande der Lagune abreißt

Alles muss weg - Lagos Waterfronts in Gefahr
Lagos/Nigeria Februar 2017

Makoko und Otodo Gbame sind alte Fischerdörfer am Rande der Lagune von Lagos. Hier leben Menschen seit vielen Generationen vom Fischfang, schon lange bevor die Stadt um sie herum zur größten afrikanischen Megacity heranwuchs. Jetzt zählt Lagos 18 Millionen Einwohner, und Bauland ist Gold wert. Die Rechte von ein paar tausend Fischerfamilien zählen da wenig, auch wenn das Land ihnen seit Generationen gehört, auch wenn Gerichte ihnen das Recht auf ihr Land und ihre Häuser zugestehen. Ein bezahlter Schlägertrupp, ein nächtlicher Großbrand, willfährige Behörden – schon hat man sich als einflußreicher Unternehmer das nächste lukrative Baugrundstück gesichert. Otodo Gbame existiert schon nicht mehr. Nach einem Angriff im November 2016 kamen die Bewohner noch wieder zurück, bestärkt von einem Gerichtsurteil, um ihr Dorf wieder aufzubauen. Ein zweiter Angriff im März 2017 hat der Gemeinde den Rest gegeben.

Makoko droht das gleiche Schicksal. Die Siedlung im Herzen von Lagos ist größer und bekannter als Otodo Gbame. Derzeit lässt man Makoko mit seinem weltweit einzigartigen Gewirr aus Stelzenhäusern und Kanälen in Ruhe. Allerdings schert sich die Stadt auch nicht um mangelhafte Infrastruktur – es gibt keine (reguläre) Stromversorgung, kein Trinkwasser, keine Schulen oder Krankenhäuser. Einen Räumungsversuch im Jahr 2013 hat die Stadtverwaltung nach massiver Gegenwehr der Bewohner aufgegeben. Ein neuer Räumungsversuch scheint nur eine Frage der Zeit. Die erfolgreiche Räumung von Otodo Gbame gibt den vermeintlichen Modernisierern Auftrieb.

Verschiedene NGOs gehen davon aus, dass etwa 300.000 Menschen ihr Zuhause verlieren, wenn die Stadt ihre Ankündigung wahr macht und alle informellen Siedlungen am Rande der Lagune abreißt

Makoko - Rush Hour vor einer Wasser-Station. Die Versorgung mit sauberem Wasser ist eines der großen Probleme in allen informellen Siedlungen.
Makoko - Virginie Fetois (front left), a local trader, struggles with other boats as she tries to make her way through a busy market spot.
Eine Frau räuchert Fisch vor ihrem Haus in Makoko. Makoko ist eine alte Fischersiedlung im Herzen von Lagos und ist zu einem Slum von enormen Ausmaßen angewachsen.
Wasserversorgung ist in allen informellen Siedlungen ein großes Problem. Frauen in Otodo Gbame behelfen sich mit Wasser aus der Lagune.
Deutsche Expats lassen sich mit ihrer Motoryacht durch das Gewirr der Kanäle von Makoko führen
Makoko - Maria Honfor reibt ihren Sohn mit einem Pulver gegen Hautkrankheiten ein.
Luftbild eines Teil von Makoko. Genaue Einwohnerzahlen gibt es nicht, aber die meisten Schätzungen sprechen von etwa 150.000 Bewohnern. Geht es nach dem Willen des Gouverneurs, werden sie alle bald obdachlos sein.
Makoko - Fischer werfen in der Lagune ihre Netze aus.
Überschaubarer Fang.
Israel Anigle flickt seine Fischernetze in seinem Haus in Otodo Gbame, Lagos. Vier Wochen später wurde die Siedlung komplett zerstört.
Asawole Padonu räuchert Fisch vor ihrer improvisierten Hütte in Otodo Gbame, Lagos. Ihr richtiges Haus wurde drei Monate zuvor zerstört. Vier Wochen nach dieser Aufnahme wurde die gesamte Siedlung  endgültig geräumt und zerstört.
Makoko - Straßenszene
Einer der schwimmenden Märkte von Makoko. Je nach Tide und Uhrzeit findet man die Märkte an immer anderen Stellen.
Geminate Hoteyin kauft Essen von einer Straßenhändlerin in Makoko.
Makoko - Virginie Fetois betreibt auf ihrem Kanu eine kleine Drogerie. Sie ist jeden Tag zehn Stunden auf dem Wasser. Verkaufsschlager: Eine bleichende Hautlotion.
Makoko - Wasserlieferung für die Familie von Chairman Jidonu.
Makoko. Arbeiter manövrieren Baumstämme zu den nahgelegenen Sägewerken von Oko Baba.
Die Sägewerke von Oko Baba grenzen an Makoko und sollen nach Willen der Stadtverwaltung nach weit draußen an den Stadtrand verlegt werden.
Kehinde Akpo, 30, ist in Otodo Gbame geboren und aufgewachsen. Die Machetennarbe auf seiner Brust stammt von einem früheren Angriff auf die Gemeinde. Nach der Attacke vom November 2016 traut er sich nicht zurück und kommt bei Verwandten in Makoko unter, ohne jedes Geld und ohne Perspektive.
Ein Mann versucht inmitten verbrannter Ruinen in Otodo Gbame noch verwertbares Holz zu finden.
John Avonda, 65, auf den Ruinen seines Hauses in Otodo Gbame, Lagos. Otodo Gbame ist eine alter Fischersiedlung, die hier seit etwa 150 existiert hat. Die Regierung hat beschlossen, dass die Siedlung ambitionierten Neubauprojekten weichen muss.
Nigerian Slum/Informal Settlement Federation Treffen in Otodo Gbame, Lagos. Delegierte aus allen Teilen der Stadt treffen sich regelmäßig und verbreiten die neuen Informationen dann in ihren Communities.
Shehu Akinwunmi,spricht auf einem Delegiertentreffen der Nigerian Slum/Informal settlement Federation in Lagos.
Aktivisten der Nigerian Slum/Informal settlement Federation bereiten in Ebute Ilaje, Lagos, eine Hauszählung vor.
Aktivisten der Nigerian Slum/Informal settlement Federation bereiten in Ebute Ilaje, Lagos, eine Hauszählung vor.
Zweiwöchentliches Delegiertentreffen der Nigerian Slum/Informal Settlement Federation in Lagos.
A hairdresser works in her improvised saloon in Otodo Gbame in Lagos. The community has been attacked and set alight by thugs in November 2016. Residents' attempts to rebuild were stopped by local authorities in March 2017, when the community was forcefully evicted to make way for expensive apartment buildings.
Young men rebuild a house in Otodo Gbame in Lagos. The community has been attacked and set alight by thugs in November 2016. Residents' attempts to rebuild were stopped by local authorities in March 2017, when the community was forcefully evicted to make way for expensive apartment buildings.
Dusk settles over Makoko, and Mosquitos come out. Malaria is still one of the major issues in the community.
Serge Honfo teaches primary school children in a private school in Makoko, Lagos.
Makoko - Misemawu Afosetien schläft während der heißesten Zeit des Tages auf einer Bank im Haus seiner Familie.
Building site in Makoko, Lagos.
Children catch fish in shallow water on Otodo Gbame community, Lagos. Newly developed estates can be seen in the background.
Confort Zola Pozalien (2nd from right) negotiates with other traders who buy fish from fishermen on the canals of Makoko.
Makoko - Magdalen Setonji is smoking fish in her house. Sh's wearing old sunglasses to protect her eyes from the biting smoke.
Mackerel being smoked in Otodo Gbame. Traders here don't just rely on local fish, but do buy frozen fish from Europe as there's customer's demand for it.
Makoko - Elizabeth Hunga looks out across the neighborhood while members of her family wait inside  for the hottest hours of the day to pass.
Makoko - street scene. Smoke from fish smoking businesses covers large areas of the community.
Makoko - street scene.  Akonas Zannou sells DVDs from his canoe. He fixed a generator to an old computer monitor and an amplifier with a huge speaker to attract customers and top display his bestselling movies.
Youths dance and sing as a boat with officials from a local church passes by, displaying loud music and religious songs.
Waliu Kahome, a tailor, greets a neighbor from his makeshift workshop and home in Otodo Gbame community in Lagos. His home does not exist anymore since the community has been destroyed by local authorities in March 2017
Traders from Otodo Gbame come back from Markets on lagos Mainland. Transport across the lagoon, using canoes, is their preferred way of transportation.
Moses Adianu looks out across the water in Otodo Gbame, Lagos. Some houses on stilts were spared from the attack in November, nevertheless many owners fled the community for fear of another attack, and their houses are still empty. After a final attack in March 2017, these homes are gone, too.
mail@jescodenzel.com
+49 (0) 163 489 51 55
Jesco Denzel Jesco Denzel